STREUOBST & ARTENSTERBEN IN MECKLENBURG
Die alten Bäume verschwinden. Mit ihnen die Arten.
Eine Streuobstwiese ist kein Obstgarten, sondern ein Lebensraum: alte Hochstämme, Totholz, Höhlen, blühendes Grünland darunter. Seit 1950 ist der größte Teil davon verschwunden — und was neu gepflanzt wird, ersetzt ihn nicht.
- 80 %
- der Bestände sind wegSeit 1950 ist der deutsche Streuobstbestand von rund 1,5 Mio. auf 300.000 bis 400.000 Hektar geschrumpft.1
- 5.000
- Arten leben dortTier-, Pflanzen- und Pilzarten — Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.2
- 2.000
- Apfelsorten gibt esIn Deutschland beschrieben. Im Gartencenter steht davon ein Bruchteil, überall derselbe.3
Warum immer weniger alte Bäume stehen
Ein Hochstamm braucht ein Jahrzehnt, bis er richtig trägt, und Platz, den kaum ein Grundstück hergibt. Im Markt steht daneben ein kleiner Baum, der schon im zweiten Jahr Äpfel bringt, in jede Ecke passt und wenig kostet. Die Entscheidung ist nachvollziehbar — sie kostet nur mehr, als auf dem Schild steht.
Hochstamm, alte Sorte
Ein Baum, der Generationen überdauert
- Trägt 50 bis 100 Jahre und wird älter als der, der ihn gepflanzt hat
- Höhlen, Totholz und Rindenspalten als Lebensraum
- Regional angepasste Sorten, über Generationen ausgelesen
- Genug Ertrag für sortenreinen Saft aus einem einzigen Baum
- Braucht Platz und alle paar Jahre einen Schnitt
Niederstamm aus dem Markt
Ein Baum auf Zeit
- Nach 15 bis 20 Jahren ausgedient und ersetzt
- Zu klein und zu jung für Höhlenbrüter und Totholzbewohner
- Immer dieselbe Handvoll Standardsorten
- Trägt schon im zweiten Jahr, dafür nur wenige Jahre lang
- Braucht Stütze, regelmäßigen Schnitt und meist Pflanzenschutz
Rund 2.000 Apfelsorten sind in Deutschland beschrieben.3 Im Gartencenter stehen davon meist ein Dutzend — dieselben von Flensburg bis Passau, gezogen auf schwachwüchsigen Unterlagen. Was dabei verloren geht, ist nicht nur ein Baum, sondern eine Sorte, die auf genau diesen Boden und dieses Klima passt.
Und ein Lebensraum: Höhlenbrüter wie Steinkauz und Gartenrotschwanz, Fledermäuse, Wildbienen und Käfer brauchen alte, morsche, großkronige Bäume. Ein Niederstamm, der nach zwanzig Jahren gerodet wird,4 kommt nie in das Alter, in dem ein Baum diesen Wert bekommt.
KLEINE INSEKTEN, GROSSE WIRKUNG
+0,8 %
Fruchtansatz
mehr pro zusätzlicher Wildbienenart in der Anlage — Vielfalt zählt mehr als Menge.6
5×
Effizienter am Apfel
ist die Gehörnte Mauerbiene gegenüber der Honigbiene. Rund 530 Tiere bestäuben einen Hektar.7
- 1978
- Seitnehmen wir in Satow Obst aus der Region an und pressen es.
- 7
- Annahmestellenin der Region — dazu die mobile Presse zur Erntezeit.
- 50+
- Sorten in der Pressesortenrein verarbeitet — so bleibt Sortenvielfalt schmeckbar.
WAS BESTÄUBUNG AN DER ERNTE ÄNDERT
- Voller Fruchtansatz
- Gleichmäßig ausgeformte Früchte
- Mehr Saft je Kiste
- Sortentypisches Aroma
- Ernte auch in schwachen Jahren
- Weniger Früchte je Baum
- Kleine, einseitig geformte Früchte
- Geringere Saftausbeute
- Schwankende Qualität
- Höheres Ausfallrisiko
Artenvielfalt ist für uns kein Nebenthema: Ohne intakte Wiesen in der Nachbarschaft steht unsere Presse still.
Ein Jahr auf der Streuobstwiese
Jeder Schritt hängt am vorherigen. Wer den Saft im Winter trinkt, schmeckt eine Entscheidung vom April.
April · Blüte
01Die Bäume öffnen
Wenige Tage, in denen alles entschieden wird. Apfel, Birne, Kirsche und Quitte blühen nacheinander — gebraucht werden Bestäuber über Wochen, nicht an einem Wochenende.
Mai · Besuch
02Wildbienen und Hummeln
Sie fliegen früher und bei kühlerem Wetter als Honigbienen und tragen Pollen von Baum zu Baum. Für Äpfel ist die Gehörnte Mauerbiene mehr als fünfmal so effizient wie die Honigbiene.
Juni · Ansatz
03Der Baum wählt aus
Aus bestäubten Blüten werden Fruchtansätze, ein Teil fällt im Frühsommer ab. Gut bestäubte Blüten werden gleichmäßigere, aromatischere Früchte — genau die, die sich sortenrein pressen lassen.
September · Ernte
04Hier setzen wir ein
Von September bis November nehmen wir Obst an — von Streuobstwiesen, Höfen und aus Gärten der Region. Was reif angeliefert wird, geht zügig in die Presse.
Oktober · Mosterei
05Waschen, mahlen, pressen
Annahme, Wiegen, Pressen, schonendes Pasteurisieren, Abfüllen in Glasflaschen oder Bag-in-Box. Ob zwei Kisten oder eine Anhängerladung: gleiche Presse, gleiche Sorgfalt.
Winter · Direktsaft
06100 % Frucht, sonst nichts
Kein Konzentrat, kein Wasser, kein Zucker. Direktsaft ist der Saft, der aus der Presse kommt — naturtrüb und sortentypisch, ungeöffnet lange haltbar.
Was eine Mosterei dafür tun kann
Die Wiesen gehören Familien, Höfen und Gemeinden. Gepflegt werden sie nur, wenn die Ernte etwas wert ist. Genau da setzen wir an.
- Wir nehmen ab, damit Bäume bleiben
- Ein Hochstamm bleibt stehen, wenn sein Obst verwertet wird. Wir sind Abnehmer für Streuobst aus der Region — auch für Mengen, die für den Handel zu klein sind.
- Auch kleine Mengen willkommen
- Wer keine Wiese hat, sondern nur wenige Bäume, findet bei uns dieselbe Presse wie ein Betrieb mit Hektar. Eine Mindestmenge gibt es nicht.
- Alte Sorten sortenrein pressen
- Sortenrein statt Sammelcharge: über 50 Obst- und Gemüsesorten behalten ihren eigenen Saft — und damit einen Grund, weiter zu wachsen.
- Kurze Wege, fairer Gegenwert
- 7 Annahmestellen in der Region und eine mobile Presse, die zu Ihnen kommt. Statt Fallobst unter dem Baum gibt es Saftguthaben für den Hofladen.
- Partner der Wiesenbesitzer
- Wir sprechen Erntetermine ab und planen Mengen vor der Saison gemeinsam — mit Gartenbesitzern, Höfen und Vereinen.
- Verarbeitung im eigenen Haus
- Pressen, pasteurisieren, abfüllen — alles in Satow. So bleibt nachvollziehbar, aus welcher Anlieferung eine Flasche entstanden ist.
Aus Ihrer Wiese wird Ihr Saft
Ob wenige Äpfel aus dem Garten oder eine ganze Streuobstwiese: Wir nehmen Ihr Obst ohne Mindestmenge an und pressen es zu Direktsaft. Sie erhalten ein Saftguthaben und lösen es ein, wann es Ihnen passt.
HÄUFIGE FRAGEN ZU STREUOBST
- Lohnt sich eine alte Wiese überhaupt noch?
- Die Ausbeute liegt bei rund 70 %: Aus 100 kg Äpfeln werden etwa 70 Liter Saft. Das ist Saft für ein Jahr statt Fallobst unter dem Baum.
- Muss das Obst sortiert sein?
- Sortenrein und ohne Faulstellen. Kleine Druckstellen und Schorf sind kein Problem, faules oder unreifes Obst schon.
- Bekomme ich den Saft meiner eigenen Bäume?
- Über die Annahmestelle nicht — dort erhalten Sie ein Saftguthaben. Bei der Mobilen Mosterei pressen wir Ihre Ernte separat.
Der Kreislauf der Jahreszeiten
Die Natur arbeitet im Rhythmus der Jahreszeiten – und beginnt jedes Jahr aufs Neue.

Blütezeit
Frühling
Die Bäume erwachen. Blüten öffnen sich und locken Bestäuber an.
Wachstum
Sommer
Aus der Blüte wird Frucht. Sonne, Regen und Zeit lassen sie reifen.
Erntezeit
Herbst
Die Früchte sind reif. Wir ernten sorgfältig und mit Erfahrung.
Ruhezeit
Winter
Bäume ruhen. Kraft sammeln. Wir planen, pflegen und bereiten vor.
Guter Saft braucht keine Eile.
Er braucht eine intakte Natur.
Familie Peters – seit 1978 mit Herz und Hand in Satow
Kleine Details,
große Wirkung
Die Natur steckt voller erstaunlicher Zusammenhänge. Hier ein paar davon.
Blüten sind kurzlebig
Viele Obstblüten öffnen sich nur für 3–5 Tage. Bestäubung in dieser Zeit ist entscheidend.
Kurze Wege zählen
Viele Wildbienen fliegen nur wenige hundert Meter von ihrem Nest aus.
Nicht jede wird Frucht
Ein Teil der jungen Früchte fällt im Frühsommer ab – der Baum wählt aus.
Direktsaft bleibt echt
Direktsaft wird nicht aus Konzentrat hergestellt. Wir pressen – sonst nichts.
Vom Blütenbesuch in die Flasche
Jede Flasche ist das Ergebnis eines langen Weges — von der Blüte auf der Wiese bis in die Presse in Satow.
- 01Bestäubung
sichert den Fruchtansatz
- 02Gesunde Bäume
tragen ausgereifte Früchte
- 03Reife Anlieferung
zum richtigen Zeitpunkt geerntet
- 04Schonende Presse
bewahrt Aroma und Farbe
- 05100 % Direktsaft
ohne Konzentrat, ohne Zusätze
Wer diesen Saft trinkt, hält die Wiesen in Nutzung.
Jede Flasche sortenreiner Direktsaft ist mit ein Grund, einen alten Baum stehen zu lassen. Im Hofladen in Satow und im Onlineshop finden Sie über 50 Sorten.
Quellen
- NABU, „Streuobst“ — Rückgang der deutschen Streuobstbestände zwischen 1950 und 2010 um bis zu 80 %.
- NABU, „Streuobst“ — über 5.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Streuobstbeständen in Deutschland.
- Pomologen-Verein e. V.; Planet Wissen, „Apfelsorten“ — rund 2.000 Apfelsorten in Deutschland.
- NABU, Baumpflege Streuobst; Angaben der Baumschulen zu Stammformen — Ertrags- und Lebensalter von Hoch- und Niederstamm.
- Westrich et al. 2011, zitiert in Naturkapital Deutschland — TEEB DE, Fallstudie Bestäubung (UFZ).
- Mallinger & Gratton 2014, Journal of Applied Ecology, DOI 10.1111/1365-2664.12377.
- WWF Deutschland, „Die wunderbare Welt der Wildbienen“, nach Vicens & Bosch.










